„Basti“ soll bleiben – Schüler, Eltern und Lehrer kämpfen für ihren Schulsozialarbeiter

S.Müller und 3 aAn dieser Stelle wollen wir einen Elternbrief veröffentlichen, der uns von der Grundschule „Lindenhof“ aus Magdeburg erreichte. Sehr bemerkenswert finden wir, wie Eltern Schulsozialarbeit beschreiben und erleben. Klasse finden wir, wie sie sich  für die Schulsozialarbeit einsetzen!

Elternbrief: Herr Müller soll auch in Zukunft der“ Basti“ an der Lindenhofschule bleiben!

 

Sebastian Müller ist ein junger Mann mit Dreitagebart und einem sympathischen Lächeln. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein guter Papa. Doch an der Lindenhof-Grundschule ist er für weit mehr Kinder verantwortlich – 300 Schüler zählen zu seiner Fangemeinde und das kommt nicht von ungefähr. Seit 2011 arbeitet Sebastian Müller für den Deutschen Familienverband an der Grundschule. Er hilft wenn‘s mal klemmt zwischen den Schülern, stärkt das Selbstbewusstsein und bildet Streitschlichter aus. Für die Kinder ist er der „Basti“. Damit will sich der Schulsozialarbeiter von den Lehrern abgrenzen und ein anderer Partner für die Schüler sein.

Warme Dusche stärkt Selbstbewusstsein

Die ersten und zweiten Klassen kennen ihren „Basti“ aus dem Sozialtraining, das alle Grundschüler absolvieren. Dabei gibt es auch die „warme Dusche“. Die Schüler lernen andere Kinder zu loben. Am Anfang des Schuljahres gefällt den meisten die Hose oder Frisur eines Schülers. Doch zum Ende des Schuljahres loben viele, dass ein anderer Schüler ein guter Freund ist, dass eine Schülerin anderen hilft oder dass die eine oder andere sehr gut zuhören kann, wenn Schüler über ihre Sorgen sprechen. Das sind Komplimente, die unter die Haut gehen. Sebastian Müller freut sich, dass die Kleinen doch ganz groß sein können. Doch er macht weitaus mehr. Er gibt Klassensprecherseminare, bildet Streitschlichter aus, betreut ein Projekt „nur für Jungs“ und hat ebenso ein „Filmprojekt mit Mädchen“ realisiert, in dem er mit den Mädchen überlegte, wo sie in zehn Jahren stehen werden. Die Kinder nehmen Sebastian Müllers Angebote sehr gern an. Sie wissen, wo er sitzt und dass er seinen Job mit Leidenschaft macht. Er hat sein Ohr direkt an den Schülern und versucht auch Konflikte nachhaltig über Emotionen zu lösen.

„Du hast doch nur eine Billigpuppe“

Ein Beispiel hat ihn besonders bewegt. Zwei Mädchen, eines aus einer wohlhabenden Familie und eines aus einer finanziell schlechter gestellten Familie, stritten sich über ihre Puppen. Das eine Mädchen sagte schließlich, “Du hast doch nur so eine Billigpuppe“. Das konnte Sebastian Müller so nicht stehen lassen. Er bat beide zu sich und holte bunte Gefühlsmonsterkarten hervor. Das Mädchen mit der teuren Markenpuppe fragte er, wie es sich fühlen würde, wenn jemand so etwas zu ihr sagen würde. Das Mädchen wählte ein Monster und erklärte, welche Gefühle es hätte. Es verstand nun, wie stark es das andere Mädchen verletzt hatte. Beide schlossen wieder Frieden miteinander. Sebastian Müller sagt, „die meisten Kinder haben eine sehr hohe soziale Kompetenz, doch sie müssen sie erkennen und im richtigen Moment anwenden können“. Der Schulsozialarbeiter will dabei helfen, auch wenn manche Fälle sehr schwer sind.

Gewalt an der Schule

Gewalt ist das größte Problem. Die kommt auf, wenn Schüler wütend sind und zuhauen. Sebastian Müller möchte dann mit den Kindern klären, was sie wütend macht und wie sie mit ihrer Wut umgehen ohne sich und andere körperlich anzugreifen. In solchen Fällen redet er getrennt mit den Streithähnen. Dabei legt er mit den Kindern klare Regeln fest, wie sie sich nach dem Gespräch dem Anderen gegenüber auf dem Schulhof verhalten sollen. Das klappt meistens. Nach einer Weile, manchmal können auch 1-2 Tage dazwischen liegen, müssen beide Kinder zusammen zu Sebastian Müller kommen und gemeinsam über den Streit reden. Mit Abstand fällt es vielen einfacher über die Wut zu reden. Sie erarbeiten mit ihm gemeinsam einen Plan, wie sie auch ohne Gewalt ihren Streit beilegen können.

Schulsozialarbeit muss bleiben

Sebastian Müller sieht sich als Partner für Schüler und Vermittler für die Eltern. Er gibt Eltern Empfehlungen, welche Familienberatungsstelle in manchen Situationen helfen kann. Zugleich setzen die Lehrer auf seine Arbeit und brauchen ihn mehr denn je. In einem Fragebogen haben sich alle Lehrer für den Erhalt der Schulsozialarbeit ausgesprochen und sein Engagement gelobt. Sebastian Müller macht einen Job, den locker drei machen könnten. Doch selbst für einen Schulsozialarbeiter könnte das Geld schon im nächsten Jahr fehlen. Der Elternrat der Lindenhof-Grundschule will das nicht zulassen.

Kultusminister eingeladen

In einem Brief an Kultusminister Dorgerloh hat er gebeten, an dieser vielleicht wichtigsten Arbeit in der Grundschule festzuhalten. Der Elternrat fordert, dass im „Land der Frühaufsteher“ auch „früh“ nachgedacht werden sollte, welche Weichen Sozialarbeit für die Zukunft der Kinder in Sachsen-Anhalt stellen kann. Die Eltern hoffen nun auf grünes Licht der Landesregierung, dass sie verstärkt in Sozialarbeiter wie Sebastian Müller investiert. Menschen wie er helfen Konfliktbewältigung schon in der Kindheit zu erlernen. Das hilft auf lange Sicht auch Kosten sparen. Die Elternvertreter sagten: „Wer früh soziale Kompetenz erlernt, kann später erfolgreicher sein, weil er weiß wie Teamarbeit funktioniert, wie die Arbeit von Kollegen geschätzt werden kann und wie man seine Mitmenschen motiviert und fördert.

Die Schüler der Lindenhofschule haben deshalb Kultusminister Dorgerloh eingeladen, sich selbst ein Bild davon zu machen, wie ihr „Basti“ mit seiner Schulsozialarbeit einen wirklich tollen Job macht.

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