„20 Jahre ProMann“ – Das Grußwort zum Jubiläum!

Sehr geehrte Mitarbeiter der Beratungsstelle ProMann, liebe Mitglieder des Deutschen Familienverbandes, geschätzte Damen und Herren,

als Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbandes freue ich mich sehr, heute hier zu sein und ein Grußwort zum 20-jährigen Jubiläum der Täterberatungsstelle ProMann sprechen zu dürfen.

Vor genau 20 Jahren startete ProMann als Modellprojekt des sachsen-anhaltinischen Ministeriums für Soziales. Auslöser war der Aktionsplan I zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen der Bundesregierung. Ein wichtiger Punkt dabei war die Etablierung der Täterarbeit, das heißt einer täterbegleitenden Beratung durch geschulte Fachkräfte.

Da körperliche Gewalt in Beziehungen überwiegend von Männern ausgeht und Männer durch bestehende Beratungsangebote kaum erreicht worden waren, hielt es der Deutsche Familienverband Landesverband Sachsen-Anhalt für besonders wichtig, ein gezieltes und spezialisiertes Angebot für gewalttätige Jungen und erwachsene Männer zu schaffen.

Die Ziele waren von Anfang an sehr klar definiert:

  1. Mit der spezialisierten und gendersensiblen Beratung von Tätern sollte nachhaltig ein gewaltfreies Leben in sozialen Beziehungen ermöglicht werden.
  2. Vorhandene männliche Rollenbilder und Rollenerwartungen sollten einer kritischen Auseinandersetzung unterzogen werden.
  3. Den Männern sollte ermöglicht werden, ihr eigenes männliches Dasein bewusst und verantwortlich gestalten zu können.

Das 1999 vorgelegte ProMann-Konzept hatte großen Erfolg und inzwischen gibt es die Beratungsstelle nicht nur in Magdeburg. Auch in Halle und Dessau wird Tätern geholfen, die ihre Gewaltausbrüche endlich in den Griff bekommen wollen.

Besonders zu erwähnen ist, dass die Beratungsstelle ProMann Gründungsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit ist, die sich der Weiterentwicklung und Umsetzung der Täterarbeit auf lokaler und bundesweiter Ebene verschrieben hat. Mittlerweile ist die Täterarbeit des Deutschen Familienverbandes nicht nur in Sachsen-Anhalt bekannt, sondern auch weit über die Landesgrenzen hinweg. Davor können wir nur den Hut ziehen! Chapeau.

Sehr geehrte Damen und Herren, es gibt keine Beziehung, sei es die zwischen Freund und Freundin, in der Ehe oder in der Familie, in der es nicht zu Konflikten oder zum Streit kommen kann.

Das Rezept – eines unter vielen – für einen Streit ist relativ einfach: Man nehme unterschiedliche Ansichten der Partner, mische es mit dem unbedingten Willen zum Recht haben wollen, würze es mit fehlendem Verständnis oder Eifersucht und garniere es am Ende noch mit einer Prise schlechter Laune – und voilà, Sie haben einen handfesten Streit.

Doch ein Streit muss nicht immer etwas Schlechtes sein. Ein kritischer Meinungsaustausch kann auch Klarheit bringen, eine gute Lösung aufzeigen oder ein Ziel formulieren.

Was aber absolut nicht sein darf, ist Gewalt in jeglicher Form. Eine Bekannte erzählte mir eines Tages von ihrem Streit mit ihrem Partner. Sie waren beide zum Tanzen verabredet, hatten bis dahin zusammen einen schönen Abend verbracht. Als er zu einer bestimmten Stunde mal kurz austreten musste, wartete sie an der Tanzfläche bis er zurückkehrte. In der Zwischenzeit kam ein Mann auf sie zu und sie plauderten ein wenig. Aus der Entfernung hatte das ihr Freund beobachtet – und dann begann der grundlose Streit. Er warf ihr sogleich vor, anderen Männern schöne Augen zu machen. Sie hätte nur die Gelegenheit abgewartet. Und eigentlich wäre sie doch viel zu aufreizend angezogen, war einer der vielen haltlosen Vorwürfe.

Erklärungen halfen nicht weiter und so endete jäh der eigentliche schöne Abend. Je länger die Fahrt nach Hause dauerte und man sich den heimischen vier Wänden näherte, desto verbissener und lauter wurden die Vorwürfe und Beleidigungen – bis es schließlich in der Wohnung eskalierte. Plötzlich flog eine volle Rotweinflasche durch die Luft, verfehlte sie zum Glück und zerbrach an der Wand unter Getöse in tausend Splitter. Was wäre passiert, wenn die Flasche nicht an der Wand zerbrochen wäre? Wenn das fast ein Kilogramm schwere Geschoss die Frau getroffen hätte? Wie wütend muss man sein, um seinen Partner schwer verletzen zu können?

Doch was mich ebenfalls sprachlos machte, war die Reaktion der Bekannten. Sie meinte, dass er es eigentlich nicht so gemeint und er nur überreagiert hätte. Und schließlich habe die Flasche sie auch nicht getroffen. So schlimm sei das am Ende nicht gewesen. Häusliche Gewalt sind nicht nur Schläge oder das wütende Wegstoßen. Dazu gehören auch Beleidigungen oder Psychoterror. Auch die Szene, die ich Ihnen beschrieben habe, ist nichts anderes als häusliche Gewalt. Es ist das Bedrohen des anderen, das Nötigen oder eben Taten, die Verletzungen des Partners in Kauf nehmen.

Gewalt war noch niemals und wird niemals eine angemessene Art der Konfliktlösung sein. Gewalt führt zu nichts anderem als zu noch mehr Gewalt. Es ist eine Spirale, in der am Ende ein Partner böses Nachsehen hat.

Jede vierte Frau in Deutschland hat häusliche Gewalt direkt am eigenen Leib erfahren. Die Hälfte von ihnen erlebt sie als psychische Gewalt. Nur 20 Prozent der Frauen nutzen bestehende Angebote der Hilfe und Beratung. Fakt ist, dass über 80 Prozent der Opfer in Partnerschaften Frauen sind. Fakt ist auch, dass Männer überwiegend Täter sind. In 90 Prozent der gemeldeten Fälle. Das zeigen die polizeilichen Kriminalstatistiken.

Allein in Sachsen-Anhalt sind jedes Jahr circa 3.100 Frauen und etwa 1.000 Kinder Opfer häuslicher Gewalt, also Opfer von Übergriffen wie Ohrfeigen, Schlägen mit Gegenständen, Verprügeln, sexuellen Übergriffen oder Beschimpfungen und Demütigungen – und dabei ist die Dunkelziffer sehr hoch, denn die meisten Opfer nehmen die Gewalttaten als Überreaktion des anderen hin, suchen die Schuld bei sich selbst oder schämen sich, Hilfe zu holen oder haben einfach Angst vor noch mehr Gewalt.

Nun kann man fragen: Wie passt Täterarbeit von ProMann in diesen Kontext? Ganz einfach. In der Beratungsstelle ProMann helfen Männer Männern, um Fähigkeiten zu stärken, die erforderlich sind, um in Beziehungen mit anderen Menschen sinnerfüllt und glücklich leben zu können, wie es im Vorwort des Beratungskonzeptes von ProMann heißt.

Die Mitarbeiter von ProMann sprechen mit Tätern über ihre Ängste, ihre Empfindungen, Wünsche und Grenzen. Sie gehen auf Spurensuche nach Auslösern und Situationen, in der es zum Kontrollverlust kommt. Die Sozialarbeiter und Therapeuten helfen den Tätern dabei, die Selbstwahrnehmung zu verbessern und ihre Gefühle überhaupt einordnen zu können. Die Beratungsstelle ProMann des Deutschen Familienverbandes ist damit Opferhilfe und Präventionsarbeit zugleich.

20 Jahre erfolgreichen, gesellschaftlichen Engagements lassen sich kaum in einer kurzen Rede zusammenfassen, aber sie lassen sich im zeitlichen Horizont würdigen. 20 Jahre ProMann bedeuten:

  • 2 Dekaden vertrauensvoller Zusammenarbeit mit dem Fördergeber
  • 1042 Wochen engagierter Arbeit aus Überzeugung heraus
  • 7.300 Tage der Unterstützung für ein gewaltfreies Leben
  • 175.200 Stunden Teamarbeit im Deutschen Familienverband
  • 10,5 Millionen Minuten fachlicher Kompetenz
  • 0,6 Milliarden Sekunden gemeinnütziger Hilfe zur Selbsthilfe

Sehr geehrte Damen und Herren, im Namen des gesamten Bundesverbandes, im Namen des Präsidiums kann ich aus voller Überzeugung sagen, dass wir auf Ihre Arbeit in der Beratungsstelle ProMann des Deutschen Familienverbandes im Landesverband Sachsen-Anhalt sehr stolz sind.

Ihnen gebührt unser Respekt und großer Dank für die Hilfe, die sie anderen Menschen Tag für Tag angedeihen lassen. Sie leisten mit Ihrem überaus vorbildhaften und nunmehr 20-jährigen Engagement einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag für ein gewaltfreies Leben im Land Sachsen-Anhalt. Mit Ihrer Arbeit haben Sie – und das möchte ich klar betonen – viel Leid verhindert.

Wir danken Ihnen ganz herzlich für Ihre Arbeit und wünschen Ihnen für die Zukunft alles erdenklich Gute!

Sebastian Heimann
Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbandes e.V.

 

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Eine Antwort zu „20 Jahre ProMann“ – Das Grußwort zum Jubiläum!

  1. autorenseite schreibt:

    Gewalt gegen Frauen ist schlimm. Schlimm ist aber auch, dass immer wieder fälschlich behauptet wird, die Gewalt ginge überwiegend von Männern aus. Nein, die Frauen sind gewalttätiger:
    https://autorenseite.wordpress.com/2018/11/21/wer-ist-gewalttaetiger-maenner-oder-frauen/
    https://autorenseite.wordpress.com/2019/05/09/witz-zum-tag-bzw-gewalttaetigkeit-der-frauen/

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